Lyrik 05.11.2019 Medientransfer

am 05.11.2019befassen wir uns wieder mit
einem Traditionsimpuls.
 

Ein „Medientransfer“ ist angesagt.

 

Wir haben als Inspiration ein BILD.  

impuls Bild Straßenbahn verkleinert
Copyright: 2019 derEmil

31 Kommentare zu „Lyrik 05.11.2019 Medientransfer

  1. morgens um 20 nach 6
    tram n°78 verläßt depot n°4
    bald schließt sich tür n°3
    fast lautlos beleuchten
    zwei scheinwerferaugen
    den weg der sonderfahrt
    neunzehnneununddreißig

  2. Ich bin ein Taumler, Bummler, Schlenderer,
    Geher, Läufer, ein Flaneur.
    Wenn‘s heißt: Aufstehen!
    Dann setze ich mich hin.
    Ich bin der Zug,
    der niemals ankommt.
    Und stehe meistens neben mir.

    #lyrimo 5

  3. durch die Fenster geschaut hinein hinaus ferne Ferne Straßen Wege Wiesen Wald Berge Meer weiter weiter weite Ferne wie im Traum

  4. Wißt ihr, wie schwer das ist, zu etwas Eigenem … Soviel Aufmerksamkeit hab ich doch garnicht …

    Nun gut, mit Bild kann natürlich beim S(chreibvers)ucher-Blog nachgelesen werden, den Text aber gibt ea auch hier:

    Transport-Transfer lokal koloriert

    Daß ausgerechnet
    aus einem meiner Bilder
    Poetik sich entwickeln kann:
    Das hätte ich doch nie geglaubt!

    Mich packt Reiselust.
    Auch Heimatverbundenheit.
    Und Fernweh und Heimweh in mir
    streiten wieder miteinander.

    Deshalb plane ich
    eine feine Rundreise
    mit unserer Funkenkutsche
    quer durch meine Heimatstadt.

  5. Blind Dating

    Täglich, 6-Uhr-20.
    Fahrerseite,
    zweite Reihe, links.
    Immer lächle ich den an, der direkt gegenüber sitzt.
    Bisher hat keiner zurückgelächelt.

    Heute 6-Uhr-21.
    Ich draußen.
    DU! ganz sicher drinnen.

    Zu spät für die große Liebe.
    Zumindest heute!
    #lyrimo Tag 5

  6. Tram-Polin

    Zu diesem alten Kasten
    auf Gleis Numro vier
    trag ich schwer meine Lasten
    wie ein Muli-Tier

    In dieser kleinen Tram
    kurz vor dem Depot
    lächelst du mich an
    als seist du furchtbar froh

    Ich steh‘ hier wie ein Wrack
    an Türe Nummer drei
    mit meinem schweren Pack
    dir scheint das Einerlei

    Du hüpfest auf und ab
    wie’n kleiner Gummiball
    bist total auf trab
    ich denk du hast ’nen Knall

    Als ich dann drinnen bin
    in Wagen sieben acht
    hüpfst du so zu mir hin
    berührst mich zart und sacht…

    …frägst in gebroch’nem Deutsch:
    Weißt du warum ich spring?
    Vielleicht weil du dich freust
    kommt mir nur in den Sinn.
    Da hast du dich getäuscht:

    Weil ich die Tram-Polin bin!
    Weil ich die Tram-Polin bin.

  7. Sonderfahrt

    Die Türen schließen sich
    Kein Fahrgast weit und breit
    Ein letztes Mal
    Verlässt die Nr. 78 ihr Depot
    Der Lautsprecher knistert:
    Ausstieg in Fahrtrichtung links
    Kein Reisender hört es
    Kein Mensch betritt das leere Abteil
    Die Türen öffnen
    Und schließen sich
    Vergebens
    Ein letztes Mal
    Flackert müde das Schild:
    Wagen hält
    Doch er hält nicht
    Die Nr. 78
    Schlängelt sich durch Häuserschluchten
    Lässt Haltestelle für Haltestelle
    Die Großstadt hinter sich
    Es kümmern sie keine Schienen mehr
    Straßen weichen Wiesen
    Wiesen weichen Wäldern
    Fern vom Gewohnten
    Fern vom Gewussten
    Keiner winkt ihr Lebewohl
    Der Tag neigt sich dem Ende
    Die Lichter der Nr. 78
    Verlieren sich im Nebel
    Jenseits der Stadt
    Ins Niegekannte
    Ins Niegesuchte

  8. Quietschen hinter der Ecke,
    ruckelnder Wagen im Kopfsteingleis:
    Ja, die Zwei ist’s – Unsere!
    Einsteigen ins Vertraute,
    Holzgeruch und Polsterschimmern,
    Messingkühle, Fensterknarzen,
    Glockenbimmeln, Türenschlag.
    Mit Geschaukel und Gezuckel
    durch die ach so geliebten Straßen.
    Und bald schon wieder aussteigen,
    ein paar Schritte noch
    mit Koffer und Rucksack ins Omahaus.
    Angekommen.
    „Habt Ihr die Bahn genommen?“
    „Klar. Wie immer. Die Zwei.“
    Die sich, in der Ferne gerade noch zu sehen, weiterächzt.
    In majestätischer Langsamkeit.

  9. Sonderfahrt
    um 20 nach 6
    (Sommerzeit)
    reisen
    wohin ich will
    ans Meer
    mit Freund*innen
    in die Vergangenheit
    oder die Zukunft
    ins Glück
    märchenhafte Reise
    ein Traum
    alles möglich

    die Straßenbahn
    verlässt ihre Gleise
    welchen Weg
    schlägt sie ein
    wer sitzt
    am Steuer?

  10. Sonderfahrt nach 18 Uhr
    Verlor sich von ihr jede Spur
    In Linie 78

    Nur noch ein Hauch von Nostalgie
    Umgab die alte Tram und sie
    Von Linie 78

    Womöglich war der Sonderzug
    Ein Traum, ein Sehnen, Selbstbetrug
    In Linie 78

    #lyrimo 5 (Medientransfer Sonderfahrt)

  11. Mit Linie achtunsiebzig
    Fahr ich zur Musikstund.
    Ach Liebelein, das gibt’s nich!
    Die fährt heut nicht ganz rund.

    Fährt sonderlich im Kreise
    Mir ist schon schwindelich
    Ach Liebelein, die Reise
    Macht mich ganz hibbelich.

    Ich sing den Gästen Lieder
    Ganz laut und schön und toll.
    Ach Liebelein, schon wieder
    Biegt’s ab nicht wie sie soll.

    Die Gleise werden dreck-
    -ich, Ich tobe fürchterlich
    Ach Liebelein, gleich bring ich
    Den Fahrer hier ums Eck.

    Der Fahrer lacht nur schelmisch
    Die Sonderfahrt fährt fort
    Ach Liebelein, wie dämlisch!
    Klang doch sein letztes Wort.

    Jetzt liegt er tot am Steuer
    Wir singen hinten drin.
    Ach Liebelein, noch heuer
    Bist du mein Hauptgewinn.

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