„Märchen und Sagen“ 30 Tage – 30 Gedichte (03)

  • Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz: Der fremde Ferdinand. Märchen und Sagen des unbekannten Grimm-Bruders.

Ferdinand Grimm, als Neunzehnjähriger, Profil. Schwarz-weiß Zeichnung.

„“Er half seinen berühmten Brüdern bei der Sammlung von Sagen, veröffentlichte aber auch drei eigene Sammlungen unter den Pseudonymen Lothar, Philipp von Steinau und Friedrich Grimm.““…

So lautet der Impuls NO. 03: Anführungszeichen Märchen und sagen Anführungszeichen.

Der Impuls sei euch Anregung, Inspiration. Ob ihr nun selbst euer Gedicht über ein Märchen oder als ein Märchen verfasst, dies sei euch absolut freigestellt.

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  • Die andere Bibliothek, Berlin 2020. ISBN 978-3-8477-0428-7

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quelle: Wikipedia

ein ( externer Link) Artikel über Ferdinand Grimm in der SZ:

„Zwergenfreund und Vogelsprachler“blaue Trennlinie

16 Kommentare zu „„Märchen und Sagen“ 30 Tage – 30 Gedichte (03)

  1. Die Bremer Stadtmusikanten
    haben Bremen
    nie gesehen.

    Sie gaben der Bequemlichkeit wegen
    auf halbem Wege
    schon auf.

    Blieben sitzen im alten Haus
    zu viert allein
    zum Sterben.

    Fast so, als hätten die Herren
    sie dort abgesetzt,
    der Bequemlichkeit wegen.

  2. Hinter dem Vorhang

    Hinter dem Vorhang war einmal
vor langer, langer Zeit
ein Tor zu einem Königreich,
nur ein, zwei Schritte weit.
Willst du hinein, so mach dich klein,
für Grosse ist kein Raum.
Das Tor zu diesem Königreich
liegt zwischen Blatt und Baum.
Schlüpf durch den Vorhang, schlüpf hindurch,
du brauchst nicht ängstlich sein.
Frau Rotkehlchen ist Königin,
du wirst Prinzessin sein.
Hinter dem Vorhang findest du
bis heut in unsrer Zeit
ein kleines Tor für kleine Leut
nur ein zwei Schritte weit.

  3. Es war einmal ein Schneiderlein
    Das schlug auf lästig‘ Fliegen ein
    Mit einem Tuch traf er sogleich
    Sieben Stück auf einen Streich
    Es waren nur Fliegen – doch einerlei!
    Überall erzählte der Schneider, wie tapfer er sei
    Ob tapfer oder nicht, in der Selbstdarstellung geschickt
    Hat er sich einen Gürtel mit „7 auf einen Streich“ bestickt
    Selbst vor einem Riesen gab er damit an
    Dieser zweifelte jedoch am vermeintlich starken Mann
    Er forderte das Schneiderlein zum Duell
    Obgleich ohne Chance, Begriff der Schneider sehr schnell
    Zwar war der Riese deutlich stärker als er
    Doch das Schneiderlein war wesentlich cleverer
    Und als der Riese glaubte, der Schneider sei tot
    Kam dieser erneut anspaziert im Morgenrot
    Der Riese bekam einen Schreck
    Der Schneider ging weg
    Bis ein König vom angeblich so starken Kämpfer erfuhr
    Und ihn bat seine Reitertruppen zu leiten nur
    Als die Reiter aus Angst vor dem Starken fliehen
    Bittet der König ihn, allein in den Kampf zu ziehen
    Zwei Riesen sollte das Schneiderlein vernichten
    Damit diese nicht noch mehr Schaden anrichten
    Zum Dank sollte der Kämpfer die Prinzessin erhalten
    Und bald auch das halbe Königreich verwalten
    Und das Schneiderlein?
    Dem fiel abermals etwas ein:
    Er brachte die Riesen dazu, sich zu streiten
    Bis diese sich gegenseitig entzweiten
    Die Reiter des Königs staunten jetzt sehr
    Doch der König gab seine Tochter nicht her
    Er stellte die Forderung, noch ein Einhorn zu fangen
    Und – na klar – auch das ist dem Schneider auf den Leim gegangen
    Der König wollte nun noch ein Wildschwein dazu –
    Der schlaue Schneider lockte es in die Falle im Nu
    Und so heiratete das arme, tapfere Schneiderlein
    Dank einiger List in die Königsfamilie ein
    Zwar ahnte seine Frau, dass alles ein Spiel
    Doch am Ende nützte ihr das nicht viel
    Denn wirklich jeder Mann hatte Angst im Königreich
    Vor dem König, der erschlug sieben auf einen Streich

    Und die Moral von dem Gedicht:
    Die Reime steh’n dem Märchen nicht.

  4. Na, weisst du noch?
    Unsere Langspielplattensammlung
    gegen Kinderkrankheiten
    half sie
    in den Kinderzimmern unter den grünen Dachbalken.
    Du, Schwester, hattest das Zimmer mit den grösseren Blumen auf der Tapete
    ich das grössere Fenster nach Westen
    Die Langspielplattensammlung,
    mit Rumpelstilzchen, Zwergen, Prinz und Prinzessin
    und Brüderchen und Schwesterchen
    und dem Lebkuchenhaus im Wald,
    teilten wir uns.
    Beute
    nach Hobbykellerkindergeburtstagen.
    Na, erinnerst du noch?

  5. Es war einmal, ja, früher, damals
    und ein armes Kind, ach, ach
    und es spielte und spielte und spielte, so schön
    und die Sonne schien warm und glücklich
    und der Regen fiel zart und freundlich
    und es spielte sich sehnlich in den güldenen Himmel hinein
    und wenn es nicht gestorben ist,
    dann lebt es noch heute.

  6. Wem ist nach Märchen noch zumute,
    wenn alle Hoffnung auf das Gute
    schwindet?

    Wen können Sagen noch beglücken,
    wenn alle Menschen Sorgen drücken,
    die Welt erblindet?

    Einen Drachen wünscht ich mir,
    einen der durch Feuerspeien
    uns von Unbill könnt befreien.

    Einen Drachen von weither,
    wenn er Feuer spuckt, schreibt er
    Rauchzeichen an das Himmelszelt
    und es liest die ganze Welt:
    Ihr seid gerettet!

  7. Von „es war einmal“, sagst du
    Wird dir oft schlecht
    Willst mehr Morgenmärchen und Zukunftsmusik
    Utopienwalzer, beschwingt, gerecht.
    Na gut, sagst du
    Ein Schuss Goethe und Brecht
    Und du schreibst bunte Bilder
    Nach vorn, nicht zurück
    Freundlich Frohsinn – hier schau!
    und Wegweiserschilder
    Zu Liebe und Glück

    Von „es war einmal“, sagst du
    Hast du genug
    Novembernebel
    Im Kopf und im Blut
    Willst „es wird einmal sein“
    lachst und schaust froh nach vorn
    denn die Hoffnung, sagst du
    zieht der Angst doch den Dorn
    aus der Seele sodann
    und dann lachst du, du lachst und dann
    Freundlicher Frohsinn!
    strahlst Du mich an

  8. Märchenschaukelzauberbaum
    Kindergedicht

    Ich mag so gerne träumen
    von Schaukelzauberbäumen,
    
bei denen jedes einzelne Blatt
    ‘nen Traum für mich zu bieten hat.
    Und jeder Traum erzählt ein Märchen
    von Elfen, Zwergen, einem Bärchen,
    von Wolkengeistern, Hexen, Feen,

    Königsschlössern, Zauberseen,
    von Dornröschen, Hans im Glück
    und einem Erdbeereisbergstück,
    von Peter Pan, Schlaraffenland,
    Frau Holle und so allerhand
    Geschichten, ja, du glaubst es kaum,
    schenkt mir mein Schaukelzauberbaum.

  9. Märchen entführen in fremde Welten
    Lassen Fantasie als Wahrheit gelten
    Weisheit steckt in uralten Geschichten
    Von Elfen, Gnomen und kleinen Wichten
    Wenn sie nicht gestorben sind,
    Prinzessin, König, Hund und Kind
    Dann leben sie noch heute
    So ist das liebe Leute

  10. Schneewittchen

    Im Schloss da herrschte ständig Krach
    Und ich lag im Bette wach.
    Immer gab es hier Krawall.
    Laute Leute überall.

    Das nervte mich so sehr.
    Schlafen fiel mir viel zu schwer.
    Ich sehnte mich nach Ruhe.
    Mutter gab ihm eine Truhe.

    Sollt‘ er sammeln edle Pflanzen,
    Minze, Melisse und Lavendel im Ganzen.
    Ich packte meinen Ranzen.
    Liefen vorbei an des Wächters Lanzen.

    Draußen war es herrlich still.
    Der Jäger sofort sammeln will.
    Zurück will er zum Schloss,
    Während ich die Ruhe genoss.

    Keine Seele weit und breit.
    Ich fühlte mich sofort befreit.
    Ich schickte ihn von dannen,
    verzog mich in die Tannen.

    Fand kleines Haus mit ‘nem Bett.
    Das war schmutzig, aber nett.
    Schlief ruhig und tief und fest
    Wie in einem Nest.

    Erwachte dann und sah
    Eine Männerschar.
    Sieben kleine Zwerge
    Arbeiteten im Berge.

    Musste für sie schuften.
    Putzen, kochen, luften.
    Wieder keine Stille.
    Eine bittere Pille.

    Mutter hatte mich dann gefunden.
    Habe ihren Trank getrunken.
    Wähnte mich im sicheren Hafen.
    Konnte endlich schlafen.

    Doch die Freude war zu früh.
    Kam Mann auf ‘nem Hottehü.
    Weckte mich aus meinem Schlaf,
    Was er als Prinz leider darf.

    Im Schloss ist Feier nun geplant.
    Ach, hätt‘ ich das vorausgeahnt.
    Die Hochzeitsglocken klingen.
    Alle fangen an zu singen.

    Nach meinem Glück fragt keiner.
    Der Erfolg ist seiner.
    Und zu meinem großen Verdruss
    Ist nun mit dem Schlafen Schluss.

  11. gestern glauben morgen wissen. wir
    ziehen spinnfäden durch geschichten.
    aschenputtel webt rapunzels tränen. ich
    kenne heimdalls namen. und eine virus zerstört
    den olymp. heute

  12. goldene gans

    wie das gold lockte
    sie mussten es haben
    und griffen danach
    es ersetzte ihnen
    beinahe das licht

    gold gold gold!
    wie begehrlich
    strecken die hände
    sie danach aus
    ein stück vom
    glänzenden ding
    zu ergattern

    und waren gefangen
    im zug derer die
    ihm folgten
    verloren die macht
    eigene wege zu gehen

    die freude war ihnen
    längst vergangen
    in ihrer dunkelheit
    liefen sie doch
    und liefen und liefen
    am großen glanze
    klebend endlos
    getrieben

    ein lachen bewirkte
    dass sie losließen
    sich vom kleben
    am gold befreiten
    das leben kehrte zurück
    (ja, die mühsal auch)
    das licht und
    die freude

    dass der arme
    die prinzessin bekam
    ist natürlich
    ein märchen

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