ein Gegenstand zum Leben erweckt“ 30 Tage – 30 Gedichte (04)

 Schön habt ihr die Märchenwelt erobert. 

Da hätte Ferdinand wohl einiges aufzuschreiben.

A pro pos „schreiben“ – schaut doch einmal in die Schublade an eurem Schreibtisch; oder in die Küchenschublade…..

Sucht einen Gegenstand darin. Eure Poesie lässt ihn lebendig werden.

Impuls No. 04: ein Gegenstand – „zum Leben erweckt“

blaue Trennlinie

lz   

ein twitterherzchen klitzeklein
das wollte nicht alleine sein
mit vielen wollt es sich vereinen
wollt liken was die Anderen meinen
dies war sein Begehr
verbieten
 
ließ es sich das nicht
zu liken das war twitterpflicht
zum Diplomaten auserkoren
ein likeverkünder
freundschaftsgründer
ein Habsgesehen
ein Gerngeschehen
trendgesettet
Meinung
so schon fast geteilt
manchmal
übereilt
 
immer wieder gern ob Herzchen oder stern
nur Mut
so ein
💙  tut jedem gut

 

blaue Trennlinie

14 Kommentare zu „ein Gegenstand zum Leben erweckt“ 30 Tage – 30 Gedichte (04)

  1. total unpolitisch

    rechts und links

    im rippenmuster

    gestrickt

    der Wollfaden

    gleitet zwischen fingern und nadelspiel

    klappernd

    der Socken wächst

    bunt und liegt weich in der Hand

    wird wärmen die Winterfüsse

  2. Schlüssel haben ihre Zeit

    Eine Zeit gemacht zu werden,
    und eine Zeit zu verrosten.

    Eine Zeit gut zu passen,
    und eine Zeit schwer gängig zu sein.

    Eine Zeit Türen zu öffnen
    und eine Zeit Türen zu schließen

    Eine Zeit der Macht
    und eine Zeit der Ohnmacht.

    Eine Zeit Sicherheit zu schenken
    und eine Zeit Leben auszusperren.

    Eine Zeit verloren zu gehen
    und eine Zeit gefunden zu werden.

    Eine Zeit zu verschließen
    und eine Zeit wieder frei zu geben.

    Schlüssel haben ihre Zeit
    und …

    wenn’s so richtig schön ist,
    möchte ich den Schlüssel umdrehen:
    das Glück selig verschließen
    die Liebe ewiglich bewahren
    Himmelssegen spüren und erfahren

    Und dann die Sehnsucht,
    dieses Himmelssehnen
    nach der letzten Tür,
    der Tür zum Paradies

    Und der Apostel mit dem Freiheitsschlüssel
    schließt auf die Pforte,
    breitet die Arme aus,
    lädt ein:
    Herein, herein!
    Die Tür ist offen.
    Sei willkommen!

  3. Ich liege hier
    Kann mich nicht bewegen
    Auf deinem Schreibtisch
    Immer griffbereit
    Jederzeit
    Ich bin immer da
    Ja, ich klebe gar fest
    Und bin doch leichtfüßig
    Leicht löslich

    Und täglich
    Nimmst du ein Stück von mir
    Machst mich kleiner
    Spür deinen Stift in mir
    Und so schmerzlich
    Jede Trennung
    So wunderbar alles Neue
    Was daraus entsteht

    Mal Fensterbild
    Mal Randnotiz
    Mal Rückrufbitte
    Mal Ritterschild

    Und immer öfter
    Eine Wand voller Ideen
    Voller guter Gedanken
    Voller Glücksgefühle

    Was könnte ich mir mehr wünschen
    Als für dich da zu sein
    Dein Post-It
    Immer dein
    Allein

  4. Tauch in mich ein,
    in mein Tintenmeer,
    tauche kreuz und queer,
    atme Schein und Sein.
    Sieh die vielen Welten,
    die in mir entstehen,
    die von mir ausgehen,
    die unendlich gelten.
    Fühl meine stille Kraft,
    die Könige stürzt,
    die das Leben würzt,
    die so vieles schafft.
    Halt dich an mir fest,
    an meinen ewigen Seiten,
    die Zauber verbreiten,
    wenn man sie nur lässt.

  5. Was ich suche …

    … ist nicht das Teebesteck,
das goldene mit den Rosen.
… ist nicht die Kochkelle,
die hölzerne mit dem Loch.
… ist nicht der Pinsel,
der breite mit Flecken am Stiel.
Was ich suche,
das finde ich nicht.
Was ich finde,
suche ich gar nicht.
Die Knoblauchpresse, der Trüffelhobel, die Kochstäbchen aus Japan,
der Apfelstecher, die Muskatreibe – und was sollen hier bloss die Stifte?
Ich suche bloss einen Faden.
Einen Faden zum Binden,
was zusammen gehört.
Einen Faden zum Finden,
wo es weiter geht.
Einen roten,
wenn ich wünschen darf.
Ich suche den roten Faden.

    Das Bild dazu auf meinem Blog.

  6. ein Ratzefumm
    gar nicht dumm
    löschte alle Vehler aus
    kam nichts bei raus
    die Lettern verschwanden
    nichts mehr vorhanden
    als lediglich…
    ein we amit ein ac o schre
    und noch ein ich
    oh je

  7. Du drehst dich stets mit 33 Runden
    zum guten Ton ein Drittel noch dazu
    Schwingung tief in Rillen eingewunden
    gibst hellen Laut du mir und gleichsam Ruh

    Am Anfang klingt Klavier mit Violine
    und Jarrett trinkt mit Kremer Brüderschaft
    sodann gedenken Streicher sanft wie Winde
    Ben Brittens Sein mit himmlisch leichter Kraft

    Und noch vor erster Seite Auslaufrille
    bekräftigt wird der erste Bruderbund
    Zwölf Celli aus Berlin eint guter Wille
    mit würdevollem Spiel im Tone rund

    Wenn ich dich wende, schwarze Scheibe wert
    erwartet dann Tabula Rasa mich
    Tintinnabuli des Esten Arvo Pärt
    glasklare Linien, zugleich inniglich

    Pärt kündet mir vom wachsen einer Welle
    und kippt sie aufgerauht dann nach g-moll
    haarnadelfein geführt bis in die Stille
    wo alle Kreation entstehen soll

    Ich hör dich gerade nun in ruhiger Stunde
    und wend dich, als ich diese Zeile schreib
    seit vierunddreißig Jahren nun im Bunde
    tust gut du mir an Seele und auch Leib

    Hast lautvoll mir geöffnet Tore, Grenzen
    und alte Form zur Illusion erklärt
    mich manche neue Räume finden lassen
    die mir bis dahin orthodox verwehrt

    https://www.ecmrecords.com/shop/143038752130/arvo-part-tabula-rasa-gidon-kremer-keith-jarrett-tatjana-grindenko-alfred-schnittke-the-12-cellists-of-the-berlin-philharmonic-orchestra-staatsorchester-stuttgart-dennis-russell-davies-lithuanian-chamber-orchestra-saulius-sondeckis

  8. Gesucht habe ich etwas anderes,
    Aber gefunden habe ich Dich.
    Vom letzten Herbst stammst Du.
    Die erste warst Du,
    Die ich gefunden habe.
    Ich mochte Deine satinene Kühle
    Und trug Dich lange in meiner Jackentasche umher.
    Nun glänzt Du nicht mehr.
    Dein Rotbraun ist dunkel geworden.
    Dein weißes Auge sieht schmutzig aus.
    Lebst Du noch?
    Vielleicht pflanze ich Dich in einen Topf Erde
    Und finde es heraus.

  9. wie ein fleischiges herz. in meiner
    hand schlagen schaltkreise im
    rhythmus. ungezählte leben
    gefangen hinterm touchscreen. free
    me. ruft das herzblut. follow me.
    ruft die social aorta. nun liegt es da
    und pulsiert. noch ein blick.

  10. Will eintauchen, wie diese Feder ins Fass
    Und blaue Tinte trinken
    Versinken
    Und mit zartem Stift
    Geschwungen, sanft noch eingedrungen
    In Schreibschriftschöner Schrift

    Will eintauchen, wie diese Feder ins Fass
    Und Träume schreiben
    Schwebend bleiben
    Liebevoll Vinyl umarmen
    Worte küssen, warmen
    Duft im Raume sprühen
    leises Kratzen, Töne glühen
    Seelenrein
    Feder sein.

  11. Heute versuche ich es mit einem Pantun

    vom buch

    ist immer für mich da
    geduldig wartet es
    öffne ich es schließlich
    verändert sich die welt

    geduldig wartet es
    in unserm zwiegespräch
    verändert sich die welt
    für diesen augenblick

    in unserm zwiegespräch
    wechsel der perspektiven
    für diesen augenblick
    entsteht bald neue frage

    wechsel der perspektiven
    worte eindringlich still
    entsteht bald neue frage
    die neue antwort bringt

    worte eindringlich still
    die mich zum nächsten führen
    die neue antwort bringt
    eins dieser tollen freunde

    die mich zum nächsten führen
    öffne ich es schließlich
    eins dieser tollen freunde
    ist immer für mich da

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