„Reinhard Mey“ 30 Tage – 30 Gedichte (12)

heute wird es wieder gemütlicher. Ob vor oder hinter dem Fenster. Als Impuls soll euch heute ein Lied von Reinhard Mey dienen.

sucht euch ein Wort auch seinem Song aus (oder kreiert ein eigenes) und verdichtet dieses.

viel Vergnügen!

Reinhard Mey, von Kammerjägern, Klarsichthüllen, von dir und von mir



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15 Kommentare zu „„Reinhard Mey“ 30 Tage – 30 Gedichte (12)

  1. Er war der Landstreicher
    den jeder kannte
    doch niemand sah
    und niemand grüßte
    der ungebetene Gast
    der niemanden bat
    der niemanden sprach
    vielleicht war er stumm
    vielleicht ja taub

    Er war der Graubärtige
    den jeder sah
    doch niemand sprach
    der nachts die Mülltonnen
    nach Essensresten
    durchsuchte
    wenn alles schlief
    dann raschelte
    und rumpelte es

    Er war der Fremde
    der über das Land strich
    den niemand mochte
    und niemand hasste
    und wenn er hinkte
    zog er sein linkes Bein
    laut hinter sich her
    und dann kicherten die Kinder
    ihm nach

    Es war einer dieser trostlosen Tage
    im November, kalt und grau
    da kam er nicht mehr
    und die Menschen im Dorf
    die niemals gesprochen
    verstummten
    und da war diese
    entsetzliche Leere, plötzlich.
    Ohne ihn.

  2. nie wieder bittsteller sein
    sagst du
    anstatt bitt zu stellen
    besser wellen
    reiten –
    nein! sag ich.
    denn wellen reiten ist wie
    mitzuschreiten
    ohne nachzudenken.
    ach, sagst du
    du besserwisser
    richtigmacher, nervenkracher –
    nie wieder bittsteller sein!
    nie mehr verrenken
    sondern freiheit und wein
    und einen sack voll lacher.
    ach, sag ich,
    klarsichthüllenblickgedanken…
    zeit verrinnt, starre beginnt
    zungen zanken
    freundschaftswanken.

  3. Die Nacht, Wachen und Schlaf,
    sortieren die Eindrücke des Tages

    Projektor over head

    Eindrücke des Tages
    sortieren die Nacht, Wachen und Schlaf

    Hülle aus Klarsicht

    Traum schaut auf Alb
    dahinter Geborgengebirge

    und Gedankenland schafft
    Struktur und Frieden
    und labenden Saal

  4. Der Jammerlappen lappt Jammer
    die Kammerzofe zoft Kammer
    die Bringschuld schuldet Bring
    und der Singvogel vögelt Sing

    das ganze könnte man nun ewig fortführ’n
    denn die Sprachgebung gibt Sprach‘
    den Rührquirl flott lassen im Quirl rühr’n
    wenn das Schlafgemach schläft im Gemach

    doch jede Übertreibung treibt’s mal über
    auch jeder Stussredner redet Stuss
    und dann kommt’s nicht mehr rüber
    drum macht der Schlussmacher jetzt Schluss

  5. Der Mitwisser weiß mit

    Der Mitwisser weiß mit
    Die Mitfahrerin fährt mit
    Der Mitesser isst mit
    Die Mitglieder gliedern mit

    Die Mitläuferin läuft mit
    Der Mittäter tut mit
    Die Mitangeklagte klagt mit
    Der Mithäftling haftet mit

    Die Mitschüler schulen mit
    Die Mitschuldige schuldet mit
    Der Mittagesser isst zu Mittag
    Der Mittwoch …

    Die Mitspielerin spielt mit
    Der Mittelose lost mit
    Die Mitdenkerin denkt mit
    Der Mittelstand stand mittel

    Der Mitreisende reist mit
    Die Mitpassagierin passiert mit
    Der Mitbewerber wirbt mit
    Das Mitglied …

    Der Mittelstreckenläufer läuft Mittelstrecke
    Die Mitteleuropäerin …
    Der Mittelfeldspieler spielt
    Die Mitwirkende wirkt mit

    Die Mitstrickerin strickt mit
    Der Mitschreibende schreibt mit
    Die Mitsprecherin spricht mit
    Die Mitsprache sprach mit

    Die Mitbewohnerin wohnt mit
    Der Mitunterzeichner unterzeichnet mit
    Die Mitinhaberin hat mit
    Der Mitgiftjäger jagt mit Gift

    Der Mitfühlende fühlt mit
    Die Mitleidende leidet mit
    Der Mitfastende fastet mit
    Der Mitpatient …
    Die Mitschwester …
    Der Mitbruder …
    Der Mitmensch …
    Die Mitwelt …

    Der Mitsänger singt mit
    Die Mitversicherte sichert mit
    Der Mitherausgeber gibt mit
    Das Mitochondrium …

    Der Mittellose lost mit
    Die Mittelläuferin läuft mit
    Der Mittler …
    Die Mitte …

    Die Mittzwanzigerin …
    Der Mittdreißiger …
    Die Mitvierzigerin …
    Der Mitfünfziger …
    Die Mittsechzigerin …
    Der Mittsiebziger …
    Die Mittachtzigerin …
    Der Mittneunziger …
    Die Mitthunderterin …

    Der Mitgesellschafter schafft mit
    Die Mitgründerin gründet mit
    Der Miteigentümer …
    Die Mitbesitzerin besitzt mit

    Die Mitleserin liest mit
    Der Mithörer hört mit
    Die Mitverschwörerin schwört mit
    Der Mitwisser weiß mit

    Die Mitverdienerin verdient mit
    Der Mithelfer hilft mit
    Die Mitkämpferin kämpft mit
    Der Mitverschworene verschwört mit

    Der Miteidgenosse genießt mit
    Die Mitbürgerin bürgt mit
    Der Mitverantwortliche verantwortet mit
    Der Mittag tagt mit

    Die Mitarbeiterin arbeitet mit
    Der Mitbewohner bewohnt mit
    Die Miterbin erbt mit
    Der Mitverfasser verfasst mit
    Die Mitautorin …

    Die Mitbegründerin begründet mit
    Der Mitveranstalter veranstaltet mit
    Die Mitinsassin sitzt mit
    Der Mitleidige leidet mit

    Der Mitfiebernde fiebert mit
    Die Mitbieterin bietet mit
    Das Mitgeschöpf schafft mit
    Das Mitglied …

    Das Mitbringsel …
    Das Miteinander …
    Das Mitgebrachte bringt mit
    Der Mittsommer …
    Die Mitbenutzung benutzt mit
    Die Mitfreude freut mit
    Die Mitternacht …
    Die Mitvergangenheit …

    ~

  6. Nochmal ein Zweites

    vorgang

    ein buch
    lesen so ein
    richtiges lesebuch
    gefunden bei der
    buchlese zwischen
    all den anderen
    in regalreihen
    überhaupt
    so eine buchlese
    ein textpflücken
    sammeln von wörtern
    im kopf zu bildern
    gemischt zu weisheiten
    gekeltert zu ideen
    vergoren
    o wie sie reifen
    über die zeit
    es ist buchlese
    zeit

  7. Kein Narrenschiff in unserer Zeit
    Keine Büttenrede weit und breit
    Ach Annabell, ach Annabell,
    das gefällt dir ganz sicher, gell?
    Am kalten Buffet keine heiße Schlacht
    Und kein Mainz bleibt Mainz um Viertel nach Acht
    Über den Wolken kein Flug
    Die Welt hat Lärm genug

    Wie viele Sommer wird’s noch geben ?
    Hör zu:
    Es ist Zeit zu leben!

    Wo ist unsere Sorglosigkeit geblieben?
    nach Liedern von Reinhard Mey

    https://t.co/Pn3Pf35hwo

  8. Der Heimatdichter dichtet Heimat,
    Der Geheimrat bietet geheim Rat,
    Der Weinkenner kennt Wein,
    Der Kleinkünstler künstelt klein.

    Der Richtigmacher macht richtig,
    Den Strichmann trifft man am Strich.
    Nur ich finde eins wichtig,
    Den nächsten Reim auf dich:

    Heute bringt mich Lyrimo
    Gedanklich in die Kindheit zurück
    Als meine Mutter strahlte froh
    Wenn Reinhard Mey ihr sang vom Glück

  9. Von Allerlei und Gedichten

    der Zirtonenfalter
    faltet Zitronen
    der Kronreiher
    reiht Kronen

    die Blausemeise
    meist blau
    der Frauenmantel
    mantelt Frau

    nur ich rühre mich nicht
    sitz hier und schreib ein Gedicht
    nur ich rühre mich nicht
    sitz hier und schreib ein Gedicht

    der Bienenfresser
    frisst Bienen
    der Mienensucher
    sucht Mienen

    das Brotmesser
    misst Brot
    die Rotbuche
    bucht rot

    nur ich rühre mich nicht
    sitz hier und schreib ein Gedicht
    nur ich rühre mich nicht
    sitz hier und schreib ein Gedicht

    die Lichterkette
    kettet Licht
    der Eisbrecher
    Eis bricht

    der Scharfschütze
    schießt scharf
    der Schlafwandler
    wandelt Schlaf

    nur ich rühre mich nicht
    sitz hier und schreib ein Gedicht
    nur ich rühre mich nicht
    sitz hier und schreib ein Gedicht

  10. Langeweile
    Manche Momente weilen lange
    Länger als von mir gewünscht.
    Weilen lange lange Weilen.
    Wünschte Eile käme schnell.

  11. Heute aber mal!!!!… ein

    gedonnertes wetter

    schwierig ist es den stab zu buchen
    drum schreibe recht, mein liebes kind
    man wird nach gefaselten fehlern suchen
    dein traum kann tagen in der nacht
    wenn sich lichtende quellen dunkel sind

    es ist herbst, die kälte rollt den kragen
    seltener himmelt nun schon das blau
    und du mein kind höre mein sagen
    nicht alle drücke einen was sie sind
    und till schweiger spielt nur selten schau

  12. Ich habe aus dem Lied das Wort Einsiedler gewählt:

    E in Einsiedler
    I n Einsamkeit hat die
    N atur weit und breit.
    S sachte ist er eingebunden
    I n Stille und mit Gott verbunden
    E r sorgt für das was ihm wurd´ anvertraut
    D ie Welt um sich ist seine Braut
    L iebevoll, naturergenben ist sein
    E remitenleben
    R uhig, achtsam, gottergeben.
    ***
    … mit morgenfrostigen, himmelklaren Grüßen …
    Segen …

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