„Blinde Begegnung“ 30 Tage – 30 Gedichte (29)

Habt ihr euch wieder aus den Fäden befreit, euch aus Verwicklungen gewunden…und die Seilschaften wohlwollend geordnet?

 

Nun dann lasst uns darüber poesieren , vielleicht auch ein wenig philosophieren, was es mit Begegnungen in und außerhalb von menschlichen Fadenkreuzungen so auf sich hat.

Auch hier bei #Lyrimo hatten wir ja im November so manche Begegnung.

 

Um noch ein wenig „Spannung“ mit dem Impuls zu verknüpfen…

 

lautet der Impuls No.29 

 

„blindeBegegnung“

 

p.s. etwaige Ähnlichkeiten mit Impulsen (meiner) anderen Blogs sind, wie heißt es immer so schön: „rein zufällig“.

Solltet ihr den Impuls also sehr genau nehmen, dann freut mich das sicherlich ganz besonders.

auf gelbem Hintergrund mehrere Blöcke in weiß, Schwarz weiß rosa auf einer weißen dünnen Linie steht mit schwarzer Schrift und BLOG Parad

blaue Trennlinie

hier findet ihr noch weitere lesenswerte Gedichte/Geschichten zum Thema blindeBegegnung: Traumspruch 

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18 Kommentare zu „„Blinde Begegnung“ 30 Tage – 30 Gedichte (29)

  1. abgriffbereite Dunkelheit
    Festhalten am Ungewissen

    stumme Hände
    schieben still
    Buchstaben und Silben
    über blinde Zeilen
    unbewohnt dieses Blatt

    erinnern
    mit Stiften
    kratzend über Papier
    Stille durchdringt den Raum
    wortgewaltig

  2. heute begegne ich mir selbst:
    ich sehe
    ich habe blaue Augen
    ich bin nicht blauäugig
    ich bin!
    ich bin
    eine gute Zuschauerin
    meistens bin ich
    genau hinschauend
    manchmal vorausschauend
    manchmal auch ein wenig hellsichtig
    manchmal nur manchmal
    manchmal bin ich ich.
    ab und zu auch nicht.
    oft aber schon.
    hin und wieder sehe ich die Dinge anders
    manchmal bin ich kurzsichtig ein kleines bißchen
    so nennt man es… wenn man
    so aus dem Bauch heraus…
    eigentlich
    sehe ich meist genau hin
    vielleicht
    möglicherweise
    ich bin oft einsichtig
    und
    ich bin blind
    immer
    na und
    ach ja
    und
    ich bin noch so Vieles mehr

  3. Blinde Begegnung

    Sehende Augen mit blindem Fleck
    und blinde Augen mit sehendem Punkt

    sie trafen einander auf ihrem Weg
    durch einen grünen Wiesengrund

    Das blinde Auge lobte den schönen Tag
    wie warm die Sonn‘ rausgekommen

    Das sehende Auge nickte nur stumm
    es hatte das nicht wahrgenommen

    Sehende Augen mit blindem Fleck
    und blinde Augen mit sehendem Punkt

    Für wen war es blinde Begegnung?

  4. Auf einmal stehste mittendrin
    im was-ist-dies und was-ist-das
    und guck-mal-ob
    lernst hochzurechnen hell und dunkel
    je nach Licht und Sonnenstand
    weisst helldunkel zu grau gemischt
    für sie
    mit wenig Farbtupfern
    auf individueller Palette
    steigst mit in den Fluss
    jedenfalls bis zur Hüfte
    um den Überblick zu wahren
    schätzt ein was eingeschätzt werden kann
    oder nur erahnt nicht fokussiert
    gewöhnst dir mit den Jahren
    ein reflexhaft denkendes
    das-sieht-man-doch
    ganz ab
    weil es einfach ungültig gestempelt ist
    vom Leben selbst
    erschaffen im Zusammenspiel
    des Seelenpaares
    zu einem Sinn und Zweck
    der von beiden
    zu erkunden
    zu erfahren ist
    Tag für Tag

    Da guckste !

  5. etwas nahm dein ich
    verband dir
    die augen

    lust übergoss
    all deine sinne
    und verrann bis in
    die letzte ritze

    blinde begegnung
    trapez ohne netz
    wespenstich

    tropft noch gift
    aus der wunde
    öffne die lider
    und
    schau jetzt wieder
    schau froh in die runde

  6. Das Licht der Kerzen
    in der Kirche
    sah sie nicht
    Aber sie spürte
    die Wärme der Hand,
    die in ihrer lag

    Den Chor, der feierlich seine Lieder
    als kleines Adventskonzert darbot
    sah sie nicht
    Aber es berührte sie tief

    Zusammen hörten sie Klänge,
    die ihre Herzen wärmten

  7. bis zur dunkelheit. wir sehen
    uns nachts. die räume sind
    unbeleuchtet. diastole.
    systole. dein atem riecht
    nach knoblauch. sind wir
    dann fishermans friends? du
    lachst höflich. sonnenklang.

  8. Blinde Begegnung

    Ich begegne Dir zum ersten Mal.
    Wir kennen uns nicht.
    Blind tasten wir uns vor
    Und stecken uns gegenseitig in Schubladen.

    Wir begegnen uns wieder
    Und tun so, als würden wir uns kennen.
    Blind testen wir,
    Ob die Schubladen noch die passenden sind.

    Wir begegnen uns immer wieder
    Und prüfen die Schubladen nicht mehr.
    Niemand von uns merkt,
    Dass wir genau so blind wie zu Beginn sind.

  9. Hella & Romy oder
    *Blindes Vertrauen*

    Täglich sind wir zu euch gekommen
    mit Freude habt ihr es vernommen.
    Um Zwölf Uhr holten wir auch raus,
    aus dem schmucken Reihenhaus.

    Gassi gehen das ist herrlich
    und für Hunde unentbehrlich.
    Laufen, toben, sich nicht scheu´n,
    sondern sich des Lebens freu´n.

    Hundeschwestern seid ihr Zwei
    und Übermut ist stets dabei.
    Wenn ihr durch die Landschaft streicht,
    auch manches Herz dabei erweicht.

    Schwarz wie die Nacht, das ist die Romy
    Hella ist so Gold wie Honey,
    springen, laufen, baden, scherzen
    und die Mängel schnell ausmerzen.

    Romy will voraus dir gehen,
    weil sie weiß, du kannst nicht sehen.
    Du vertraust ihr Schritt für Schritt,
    läufst ihr nach und kommst schnell mit.

    So habt ihr ein schönes Leben,
    könnt einander so viel geben.
    Fremd sind euch Seelenschmerzen,
    denn sehen tut ihr mit dem Herzen.
    ***
    Ich habe zwei Hündinnen betreut.
    Eine von den Beiden ist blind.
    Vier Wochen lang waren wir beisammen.
    Dabei ist dieses Gedicht entstanden.
    Ich erlaube mir es hier zu posten,
    obwohl es nicht neu ist. LG M.M.

  10. Oh hör doch,
    so hör doch, die Kraniche
    sie ziehen
    hörst du sie
    wo sind sie
    da oben, am Himmel
    ganz viele
    hörst du sie
    nicht?
    Ihre Rufe, sie sind so laut
    wie Trompeten
    siehst du sie
    denn gar nicht?
    Es sind deren ganz viele
    so schau doch,
    da oben, da sind sie –
    Und mit einem Mal
    begannen seine stahlblauen
    Augen an zu leuchten
    so warm, dass ich
    hätte meine Hände
    an ihnen wärmen können
    und ein Lächeln
    zog über das Gesicht
    meines Vaters.
    Er blickte in die Ferne,
    geradezu andächtig,
    hörte er
    mit meinen Ohren
    und sah, still,
    mit meinen Augen.
    Ich schaute den ziehenden
    Kranichen nach,
    wie sie sich
    am Horizont verloren.

  11. Liebe Dagmar!
    Einfach nur ein von Herzen kommendes Danke,
    für all dein Wirken und deine Bemühungen.
    ***
    Bei
    blinden Begegnungen
    muss dafür Herz
    und Seele sehr gut
    „sehen“.
    ***
    Mit herzenswarmen Grüßen
    Monika-Maria

  12. blinde begegnung

    hilflos
    taste ich
    durch nebel
    schnee und regen
    kein licht
    erhellt
    die selbstgemachte
    nacht
    ängste kriechen
    wie würmer
    den rücken
    hinauf
    und mein herz
    umhüllt
    ein nein
    schwarz ist
    die nacht
    blind bin ich
    für das
    was ist
    deine hand
    hält mich
    am abgrund
    du führst mich
    zum ja
    dein stecken
    und stab
    trösten doch
    und geleiten mich
    durch die finsternis

  13. Dialog im Dunkeln

    Die Augen sind offen
    Doch wir können nichts sehen
    Wir halten uns fest
    Nur um sicherzugehen
    Wir riechen bewusst
    Und versuchen zu schmecken
    Wir atmen tief ein
    Wollen Neues entdecken
    Wir lassen uns ein
    Auf ein Experiment
    Für einen Abend Blindsein
    Nichts ist wie man es kennt
    Und in dieser Dunkelheit
    Sind alle Sinne so klar
    Wir halten uns fest
    Vertrauen wird offenbar

  14. um die Ecke jetzt und schnell Bahn frei ich komme auf leisen Reifen Platz da weg mit euch ich bin der König des Radweges Klingel funkt nicht shit hau ab da vorne zur Seite mit dir ich bin so schnell schon bin ich an dir vorbei…fast, wo kommt dieser Stock her? dachte er bevor er einen Salto schlug. Uppps. Der blinde Mensch hatte ihn nicht kommen hören – keine Chance

  15. Heute widme ich meine Zeilen einer ganz konkreten Person: meinem Mitsänger, der im alljährlichen Chorprojekt „Leipzig singt“, das dieses Jahr leider ausfallen musste:

    dietmar

    sein weißer stock
    ruht nun am stuhl
    etwas starr wirkt er
    auf den der ihn wahrnimmt
    während er verfolgt
    was der dirigent sagt
    dann den ton aufnimmt
    und auf den einsatz wartet
    ein wenig verspätet
    fällt er ein in den gesang
    sieht er doch nicht
    den dirigenten
    ich erinnere mich wieder
    ersetze seine augen und
    zupfe bei jedem neuen
    auftakt jedem einsatz
    sacht seinen ärmel
    später dann
    unser konzert
    wie er strahlt
    nach dem letzten ton
    dem beifall lauschend
    ich kann es sehen

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