Wiederentdeckt Lockdown–Lyrik

Der Impuls am 2. Mai lautet:“Wiederentdeckt“

blaue Trennlinie

Wiederentdeckung
Widerentdeckung
entgegen
wider alle Vernunft
oder entdecken wir eine neue freiheit
in der Rückbesinnung 
im Erinnern neu

copyright Traumspruch

blaue Trennlinie

22 Kommentare zu „Wiederentdeckt Lockdown–Lyrik

  1. Wiederentdeckung eines Fußes

    der Fuß steckte im Schuh
    beinah zehn Stunden
    sie blickte immerzu
    auf ihren Schuh
    beinah zehn Stunden
    am Abend die Entdeckung
    an ihrem Bein
    der Fuß schien da zu sein
    der Schuh doch war verschwunden

  2. Wiederentdeckt
    doch nie verloren
    das Sein
    die leise Stille
    inmitten dem Lauten
    der Fragen
    unzähmbare Geduld.
    Wiederentdeckt
    doch nie verloren
    sind wir,
    unbeugsam.
    Sind wir Menschen,
    bleiben es auch.

  3. Mai-Spaziergang 2021

    Vorbei am wackligen Hochsitz
    unter Wattewolken
    stiefeln wir über den Pfad

    und besingen die Pferdeäpfel
    Klotz am Bein, Klavier vorm Bauch
    Geht’s noch ein bisschen lauter?
    Klar doch!
    Wo soll man denn sonst laut singen,
    wenn nicht im Wald?
    Rechts ’ne Pappel, links ’ne Pappel
    Ich bin sieben
    und du höchstens acht
    anspruchslos wie die Anemonen
    am Wegesrand
    © Sargantanasal

  4. Hoffnungsträgerin:
    das Achtziger Jahre Teil,
    im Keller stands.
    Ein Teil Fantasie, ein Teil Verzweiflung
    ein weiteres war
    Geschick.
    Ein neues Teil für den zweiten Sommer
    aus Vaters altem Hemd
    auf Omas Nähmaschine

  5. wiederentdeckt
    bei Pandemiespaziergang
    Leidenschaft
    für draußen
    Schöpfung – Natur
    neu angefangen
    dazuzulernen
    anknüpfend an
    Arbeitsmaterial
    aus glücklichen Tagen
    bei Suche nach Naturbüchern
    unzählige aus vergangenen Jahren
    wiederentdeckt
    die Leidenschaft war
    niemals weg

  6. Die Decken aufgeschüttelt
    darunter wiedergefunden
    die Dinge
    die mir wirklich wichtig sind
    In der andauernden Abstinenz
    wiederentdeckt
    was unter den Tüchern des Alltags
    so lange verborgen war

  7. kennst du das auch
    wenn der see für dich singt
    und die sonne blüht
    wenn die luft nach heu
    und wiesen schmeckt
    wiederentdeckt

    kennst du das auch
    dieses kitzeln im bauch
    das herz beschwingt
    fröhlich gemüt
    aus alt wird neu
    freude geweckt
    wiederentdeckt

    kennst du das auch
    wenn der tag dir bringt
    was die nacht
    erdacht
    zuversicht leis noch
    eingesteckt
    wiederentdeckt

    kennst du das auch?
    oder kennst du es nicht?
    vernunft trifft frust
    lebenslust
    die hände weit
    ausgestreckt
    wiederentdeckt

  8. wie gestern. wir feiern unsere
    ersten minuten im hochtakt
    einer anderswelt. bis dass.
    deine zähne lächeln im glas.

  9. Wiederentdeckt nicht versteckt nur abstand nur …nicht aus dem Sinn Brief Telefon sogar smart…an jedem Ende einer Leitung: Freude

  10. Das Buch
    zu lesen allzu oft
    nun schon prokrastiniert

    Verwandtschaft
    oft als bucklig eher
    bezeichnet ungeniert

    Die Truhe
    fast vergessen
    und dachbodendeponiert

    Den Brief
    begonnen zwar
    jedoch mit Namen nie signiert

    Körpergefühl
    mit Dankbarkeit
    im nicht betroffen sein

    Freiheitsgedanken
    (manchenfalls getrübt
    von nebulösem Schein)

    Das eigne Herz
    voll Empathie in einer
    wirren Zeit

    Die Fähigkeit
    weithin zu denken
    zur Gemeinsamkeit

  11. Wiederentdeckung

    W ir leben mit einer Pandemie.
    I n dieser Zeit ist das Leben besonders zerbrechlich,
    E benso die Herzen und Seelen.
    D abei ziehen wir uns zurück.
    E ine unsichtbare Mauer bauen wir auf,
    R ichten uns ein, in unserem Rückzugsort.
    E s ist Gebot der Stunde, Abstand zu halten.
    N ähe kann gefährlich sein, sogar den
    T od kann sie bringen!
    D och wir Lebewesen brauchen Nähe
    E motionale Nähe kann es trotz Abstand geben.
    C harismatische Begegnungen von Herz zu Herz,
    K önnen den Seelenfunken wieder zum Leuchten bringen.
    U nd wahrscheinlich müssen wir das ganz einfache Miteinander
    N ach der Pandemie wiederentdecken – und lernen
    G efühlen wie Angst vor Krankheit keinen Raum schenken.

  12. Wiederentdeckt

    Die Freude am Allein sein.
    Niemand da
    Außer mir.
    Die Ruhe tut gut.

    Die Tür ist zu.
    Kein Geräusch
    Dringt zu mir.
    Die Stille ist herrlich.

    Musik auf den Ohren.
    Ein Klangraum
    Für mich.
    Mit geschlossenen Augen bin ich allein.

  13. Wiederentdeckung

    W elch wundersame Wandlungen wachsen
    I m Inneren instinktiv improvisieren
    E ine eigene Eremitation entdecken
    D ehmütig die Deutungen durchdenken
    E ine eigene Eremitation entdecken
    R astlos – regelrecht ratlos rumsitzen
    E ine eigene Eremitation entdecken
    N ur natürlichen Nuancen nachgehen
    T agträume tapfer tabuisieren
    D ehmütig die Deutungen durchdenken
    E ine eigene Eremitation entdecken
    C harakterzüge charmant codieren
    K eine konfrontativen Kreuzzüge kreieren
    U nter Umständen Urteile untergraben
    N ur natürlichen Nuancen nachgehen
    G lattgebügelte Gedanken guillotinieren

  14. wiederentdeckt
    unter der muschel
    ein einzelnes sandkorn
    sag
    wie ist dein name
    hinter der welle
    bricht sich das licht
    möwenschreie kreuzen
    den himmel
    blau
    sagst du
    ich bin
    überschäumendes glück

  15. wiederentdeckt

    Augen
    zum Sehen geboren
    zum Schauen bestellt

    Ohren
    zum Hören geboren
    zum Lauschen erwählt

    Herz und Seele
    fleischgeworden

    nicht verloren
    überborden

    nicht verloren
    aufgeweckt

    nicht verloren
    wiederentdeckt

  16. Ja,
    seltsam ist‘s gewesen
    dies‘ stumpfe
    Wandern, inmitten
    meiner Selbst
    die Sicht vernebelt
    – frierend das Sein.

    Entschluss:
    Stuf‘ um Stuf‘
    Schicht um Schicht
    erklommen
    entblättert:

    Du?
    Ich!

    (Hommage an H. Hesse)

  17. Wiederentdeckt

    Damals, als echter Lockdown war,
    und Motoren verstummten.
    Damals hörten wir die Stille wieder.
    Und die Vögel, die Hummeln und Fliegen.
    Stille und Ruhe und Langsamkeit
    und sogar etwas Langeweile?

    by worteausdemwunderland.blog

  18. Eine Thermoskanne
    mit Kaffee
    Zwei Becher auf einem Geschirrtuch
    Plätzchen und Kuchen
    Ein Platz findet sich überall
    meist mit Aussicht
    Wandern wie früher
    Wiederentdeckt

    (In einem Unterstand war sogar weihnachtlich dekoriert mit Zweigen, Zapfen und Servietten)

  19. wolf der einsamkeit

    lange
    lebte das tier
    wie etwas
    zugelaufenes
    blieb am leben
    von den resten
    die abfielen vom
    alltag ernährt
    meist im weg
    ohne zärtliche
    zuwendung
    geduldet selten
    akzeptiert
    von andern
    gefürchtet und
    gemieden
    plötzlich überall
    verzüchtet zu einem
    accessoir seiner wurzel
    entfremdet trägt
    es beim gassigang
    oft feinstes
    geschirr

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